27.02.2026

Streckenverlauf am adidas-Campus geklärt

Der Freistaat Bayern, die Stadt Herzogenaurach, die adidas AG und der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn haben heute eine Gemeinsame Erklärung zur Streckenführung der StUB im Bereich des adidas-Campus in Herzogenaurach unterzeichnet. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter über die Einigung: „Wir freuen uns, dass diese entscheidende Hürde für die StUB genommen ist. Der Freistaat hat ein sehr großes Interesse an diesem Projekt: Die Bahn verbindet zukünftig drei Städte im Herzen der Metropolregion Nürnberg, erschließt wichtige Hochschulstandorte und etliche große Wirtschaftsunternehmen wie Siemens, Schaeffler, adidas und PUMA. Die StUB wird zeigen: Wenn Kommunen, Wirtschaft und die Bevölkerung vor Ort an einem Strang ziehen, gelingen auch Großprojekte und am Ende gewinnt die gesamte Region.“

Pressemitteilung (PDF)

Zuletzt hatte das Bayerische Verkehrsministerium im Auftrag von Ministerpräsident Dr. Markus Söder in der Sache vermittelt und konnte gemeinsam mit den Projektpartnern in konstruktiven Gesprächen eine gute Lösung finden: Die Strecke wird demnach den adidas-Campus künftig südlich umfahren und das Gelände am Haupteingang attraktiv erschließen.

adidas wird die weitere Planung unterstützen und sich an den Investitions- und Betriebskosten der angepassten Streckenführung maßgeblich beteiligen.

„Wir haben gemeinsam eine sehr gute Lösung gefunden. Der einzigartige adidas Campus bleibt erhalten. Gleichzeitig profitieren unsere Mitarbeiter und Besucher, die Anwohner der Herzo-Base und die Einzelhandelsgeschäfte in der Umgebung von der künftig sehr guten Anbindung. Dies ist das starke Ergebnis eines Schulterschlusses zwischen Wirtschaft und Politik. Es zeigt, was wir erreichen können, wenn wir miteinander reden und gemeinsam handeln. In dem Zusammenhang möchte ich vor allem dem Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder danken”, erklärt adidas Chef Bjørn Gulden.

Für den Zweckverband war die erneute Trassenüberprüfung im adidas-Umfeld zunächst eine Herausforderung. „Zum einen gibt es bei Planungsverfahren in Deutschland standardisierte Verfahren und rechtliche Rahmenbedingungen, die wir berücksichtigen müssen, um unsere Bewertungsmaßstäbe einheitlich zu halten und das Gesamtprojekt nicht zu gefährden. Zum anderen mussten wir eine Lösung dafür finden, dass sich adidas im Laufe der Zeit verändert hat und geplante Weiterentwicklungen mit der ursprünglichen Linienführung nicht möglich gewesen wären. Diesen Knoten galt es zu lösen, was nur durch politische Unterstützung des Freistaats möglich war“, so Mandy Guttzeit, Geschäftsleiterin des Zweckverbands.

Erster Bürgermeister Dr. German Hacker aus Herzogenaurach, zugleich Vorsitzender des Zweckverbands, unterstreicht: „Mit den verbindlichen Zusagen von adidas und der Rückendeckung des Freistaats ist die Lösung ein guter und Sicherheit gebender Weg. Letztlich haben wir für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation erreicht: adidas kann seinen Campus und damit die Konzernzentrale auch gebäudlich weiterentwickeln und ganz Herzogenaurach, die Region und letztendlich der Standort Bayern profitieren von einer modernen, hochwertigen Erschließung. Herzogenaurach wird doppelt gestärkt. Der Freistaat hat entscheidend dazu beigetragen, das Problem aus der Welt zu schaffen.“

Mit der Gemeinsamen Erklärung legen die vier Unterzeichner die Eckpunkte der weiteren Zusammenarbeit fest: Die Beteiligten verpflichten sich zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und der Freistaat erneuert seine Zusage, das Projekt finanziell zu einer Gesamtförderhöhe von 90% zu unterstützen, auch in der nun geplanten geänderten Form. Die Planungen für die Stadt-Umland-Bahn sind bereits weit fortgeschritten: Voraussichtlich bereits in diesem Jahr geht der erste Abschnitt ins Genehmigungsverfahren, danach soll die Bahn Schritt für Schritt gebaut werden.

FAQ zur StUB-Streckenführung am adidas-Campus

Wie sieht der neue Streckenverlauf im Detail aus?

Gegenstand der aktuellen Einigung ist die Führung der Trasse südlich des adidas-Campus, d. h. die Streckenführung der StUB bleibt aus Erlangen kommend bis kurz vor den adidas-Campus gleich und verschwenkt dann kurz vor dem Arena-Gebäude in einem Südbogen um die Gebäude Arena und Halftime herum. Wie die Führung auf der Westseite des Halftime Gebäudes weitergeht, wird derzeit untersucht. Dazu werden mögliche Trassenvarianten u. a. unter Rückgriff auf das im Raumordnungsverfahren bewährte Formalisierte Abwägungs- und Rangordnungsverfahren (FAR-Verfahren) verglichen und bewertet. Aktuell die wahrscheinlichste Variante besteht darin, dass auf Höhe des Gewässers südwestlich des Arena-Gebäudes eine Haltestelle entsteht. Anschließend wird die StUB östlich an der Kindertagesstätte vorbei außerhalb des adidas-Campus wieder auf die ursprüngliche Streckenführung verschwenken. Final kann die Entscheidung aber erst nach dem standardisierten Abwägungsverfahren aller denkbaren Trassierungsvarianten erfolgen. Ziel ist es, zusätzliche Betroffenheiten im Vergleich zur ursprünglichen Streckenführung zu vermeiden.

Was sind die Mehrkosten und wer kommt hierfür auf?

Die genauen Mehrkosten stehen erst nach detaillierterer Planung fest. Durch die Umplanung entstehen allgemein Mehrkosten für die erneute Planung sowie – gemäß der momentanen Planungen – erhöhte Investitions- und Betriebskosten für die längere Streckenführung. adidas wird sich an den Kosten für die Umplanung sowie den Investitions- und Betriebskosten der angepassten Streckenführung maßgeblich beteiligen.

Hat das Einfluss auf die Förderung?

Der Freistaat hat im Zuge der Verhandlungen seine grundsätzliche Zusage der Aufstockung der Bundesförderung auf 90% Förderanteil noch einmal bekräftigt. Die StUB hat einen Nutzen-Kosten-Faktor von ca. 2 (d. h. der Nutzen ist doppelt so hoch wie die Kosten), die Auswirkungen durch die Umplanung in diesem Bereich sind für das Gesamtvorhaben zu vernachlässigen. Gefördert werden Projekte, wenn der NKI über 1,0 liegt, die StUB ist und bleibt weit darüber.

Kommt es durch die Umplanung zu Verzögerungen?

Nein. Die StUB wird abschnittsweise geplant und gebaut. Da sich der adidas-Campus räumlich im letzten Planfeststellungsabschnitt befindet, kann die Umplanung parallel zur Fertigstellung der übrigen Planungen in diesem Abschnitt erfolgen.

Welche Vor- bzw. Nachteile kommen mit der neuen Streckenführung?

Die Haltestelle wird näher an die Herzo Base rücken, was für die dortigen Bewohner einen Vorteil bedeutet. Auch Outletbesucher profitieren von einem kürzeren Weg. Zudem entsteht durch die Haltestelle direkt vor dem Haupteingang von adidas eine repräsentative Verknüpfung von Unternehmen und ÖPNV-Angebot. Durch die längere Strecke erhöht sich die Fahrzeit in Richtung Endhaltestelle um schätzungsweise eine Minute.

Waren an der Alternativplanung die Planer des ZV StUB beteiligt?

Es wurde nun zunächst entschieden, dass die StUB den adidas-Campus südlich queren wird, weil sich grundlegende Rahmenbedingungen für die nach wie vor anzuwendende Bewertung geändert haben. Die detaillierte Planung der weiteren Streckenführung obliegt dem Zweckverband.

Halten Sie es für vertretbar, dass ein Unternehmen eine langjährig geplante und mehrheitlich bereits abgestimmte Streckenführung „einfach umwerfen“ kann?

Nein, ein „einfaches Umwerfen“ hat hier nicht stattgefunden. Änderungen aus wichtigem Grund können bei solchen Großprojekten bis zur Planfeststellung der Strecke vorgenommen werden. Es gibt festgesetzte Regularien und standardisierte Verfahren, an die sich der Zweckverband halten muss. Nur durch den engen Austausch und die Bereitschaft von adidas, sich maßgeblich an den Kosten der angepassten Streckenführung zu beteiligen und damit zur Kompensation der Nachteile der neuen Streckenführung beizutragen, war die Umplanung hier möglich. 

Kann nun an anderen Stellen der Trasse ebenfalls noch umgeplant werden, z. B. im Erlanger Regnitzgrund, in Tennenlohe, oder gar die StUB an der Innenstadt in Erlangen vorbeigeführt werden (Campusbahn)?

Nein. Denn an verschiedenen anderen Stellen wurden im Verlauf der Planung – vor und nach dem Raumordnungsverfahren – bereits solche Änderungen an der Streckenführung vorgenommen, in Erlangen zum Beispiel in Büchenbach-West. Mit der schon vor dem Raumordnungsverfahren getroffenen Entscheidung, die StUB durch die Sieboldstraße statt am Neuen Markt vorbei zu führen und damit den künftigen Standort der philosophischen Fakultät der FAU direkt anzubinden, gibt es in Erlangen auch ein Beispiel für eine Optimierung der Streckenführung aufgrund von bedeutenden Entwicklungen am Standort. Änderungen sind in den Gremien des Zweckverbands von den Vertretern aller drei Städte gemeinsam zu beschließen. Sie müssen sich an der Machbarkeit und am Erreichen der Projektziele messen lassen und ihnen geht ein gründlicher Abstimmungs- und Abwägungsprozess mit der jeweiligen Stadt und den Betroffenen voraus, wie er hier auch stattgefunden hat.

Der Vorschlag der sog. Campusbahn ist in früheren Prüfungen mehrfach durchgefallen und würde es jederzeit heute ebenso. Sie würde die Innenstadt, die dort gelegenen Teile der Universität und den Hauptbahnhof nicht erschließen, das sind wesentliche Planungsziele. Fahrgäste aus Herzogenaurach oder dem Nürnberger Knoblauchsland würden dann die StUB z. B. nicht zum Einkaufen in der Erlanger Innenstadt benutzen können oder hätten keinen Anschluss an die ICE- und RE-Züge am Erlanger Hauptbahnhof. Die neue Regnitzquerung und mit ihr die enormen Vorteile einer neuen Talquerung würden entfallen, der Ostast nach Eckental wäre nicht berücksichtigt. Das alles wären gravierende Auswirkungen auf das Gesamtprojekt, die weitaus größer wären als bei bisherigen Änderungen im Stadtgebiet Erlangen.

Aspekte, wie sie jetzt an einer lokal sehr begrenzten Stelle in Herzogenaurach bei adidas zum Tragen gekommen sind, gibt es andernorts nicht. 

Führt das die bisherige Beteiligung und den bisherigen Entscheidungsprozess nicht ad absurdum?

Nein. Bei der Umplanung im Bereich adidas handelt es sich um eine kleinräumige Änderung der Trassierung, von der vor allem das Unternehmen selbst betroffen ist. Durch die im Vergleich zum Raumordnungsverfahren geänderten Rahmenbedingungen auf dem adidas-Campus und mögliche künftige Weiterentwicklungen, die mit der StUB auf der ursprünglichen Trasse nicht möglich wären, mussten die unternehmerischen Belange in der Gesamtabwägung selbstverständlich neu gewichtet werden. Gleichzeitig hat adidas zugesichert, die negativen Effekte auf das Projekt durch maßgebliche Beteiligung an den Kosten der angepassten Streckenführung zu reduzieren, weshalb die Umplanung hier vertretbar und angesichts des Bewertungsverfahrens sogar angezeigt und notwendig ist.

Inwieweit musste die Landespolitik auf eine Einigung hinwirken?

Zum einen gibt es bei Planungsverfahren in Deutschland standardisierte Verfahren und rechtliche Rahmenbedingungen, die der Zweckverband berücksichtigen muss, um die Bewertungsmaßstäbe einheitlich zu halten und das Gesamtprojekt nicht zu gefährden. Zum anderen musste eine Lösung dafür gefunden werden, dass sich adidas im Laufe der Zeit verändert hat und geplante Weiterentwicklungen mit der ursprünglichen Linienführung nicht möglich gewesen wären. Diesen Knoten galt es zu lösen, was nur durch politische Unterstützung des Freistaats möglich war.

Wie zufrieden sind Sie mit dem ausgehandelten Ergebnis?

Wir als Zweckverband sind zufrieden, dass eine Einigung gefunden werden konnte, ohne dass dadurch der Projektfortschritt leiden musste. In Abwägung der Gesamtsituation können wir die Umplanung hier mittragen.

Warum wurde das Thema in nicht-öffentlichen Gremiensitzungen behandelt und die Öffentlichkeit nicht eingebunden?

Nicht-Öffentlichkeit ist immer dann angezeigt, wenn persönliche, betriebliche oder Interessen von Dritten gewahrt werden müssen. Dies war hier der Fall. Die zentralen Eckpunkte der gemeinsamen Einigung wurden nach Unterschrift einer gemeinsamen Absichtserklärung veröffentlicht.

Kontakt

09131 / 933 084 0 info@stadtumlandbahn.de